Die Fälle: was tut ein Wort im Satz?
Im Lateinischen verrät die Endung, was ein Wort tut: Subjekt, Besitzer, Empfänger, direktes Objekt oder Mittel. Das sind die Fälle, vom Nominativ bis zum Ablativ.
Du kannst hier sofort anfangen: Du brauchst kein Vorwissen.
Warum
Du liest Rosam puella agricolae dat. Die Rose steht vorne. Gibt also die Rose dem Mädchen etwas?
Im Niederländischen oder Englischen sagt die Wortstellung, wer was tut. Im Deutschen helfen schon die Fälle: das Mädchen gibt dem Bauern eine Rose. Im Lateinischen darf die Reihenfolge frei wandern, denn das Ende jedes Wortes sagt, welche Aufgabe es hat.
Rosam endet auf -am: das ist das direkte Objekt, das, was gegeben wird. Puella ist das Subjekt, agricolae bekommt die Rose. Wer die Fälle kennt, liest jeden lateinischen Satz ohne zu raten, auch in einem Test, in dem die Wörter absichtlich durcheinander stehen.
Sieh es
Tippe auf eine Funktion im Satz: Subjekt, Besitz, indirektes Objekt, direktes Objekt, Mittel und Ort oder Anrede. Fall und Endung leuchten in der Tabelle von rosa und dominus auf.
Dominus puellam videt.
Beschreibung des Bildes
Oben sechs Knöpfe mit den Funktionen im Satz: Subjekt, Besitz, indirektes Objekt, direktes Objekt, Mittel, Ort oder Zeit und Anrede. Darunter eine Tabelle mit den sechs Fällen von rosa und dominus: Nominativ rosa und dominus, Genitiv rosae und domini, Dativ rosae und domino, Akkusativ rosam und dominum, Ablativ rosa mit langem a und domino, Vokativ rosa und domine. Tippst du auf eine Funktion, leuchtet die Zeile dieses Falls auf und die Endung bekommt eine Farbe. Unter der Tabelle steht ein kurzer lateinischer Satz, in dem das Wort mit dieser Funktion markiert ist. Beim direkten Objekt leuchtet zum Beispiel die Zeile Akkusativ mit den Endungen am und um auf, und der Satz heißt Dominus puellam videt, mit puellam markiert.
Versteh es
Ein lateinisches Nomen hat einen Stamm und eine Endung. Der Stamm trägt die Bedeutung (ros-, Rose), die Endung die Aufgabe im Satz. Jede Aufgabe hat ihren Fall, und jeder Fall seine Endung.
Der Nominativ ist das Subjekt: wer tut es? Puella cantat, das Mädchen singt. Der Genitiv ist der Besitzer: wessen? villa dominī, das Landhaus des Herrn. Der Dativ ist das indirekte Objekt: wem? agricolae dat, sie gibt dem Bauern.
Der Akkusativ ist das direkte Objekt: wen oder was trifft die Handlung? rosam videt, sie sieht die Rose. Der Ablativ sagt womit, wodurch, wo oder wann: rosā, mit einer Rose; in silvā, im Wald.
Es gibt noch einen sechsten: den Vokativ, mit dem du jemanden anredest. Meist ist er gleich dem Nominativ. Nur Wörter auf -us bekommen -e: Domine, Herr.
Achtung: eine Endung kann mehrere Fälle sein. Rosae ist Genitiv oder Dativ Singular oder Nominativ Plural. Dann entscheidet der Rest des Satzes.
Nominativ Subjekt, Genitiv Besitz (wessen), Dativ indirektes Objekt (wem), Akkusativ direktes Objekt (wen oder was), Ablativ Mittel, Ort oder Zeit. Der Vokativ ruft an.
Beispiele
Puella cantat.
Nominativ: das Mädchen ist das Subjekt, es singt.
Villa dominī magna est.
Genitiv: das Landhaus des Herrn ist groß.
Puella agricolae rosam dat.
Dativ: das Mädchen gibt dem Bauern eine Rose.
Dominus servum vocat.
Akkusativ: der Herr ruft den Sklaven. Den Sklaven trifft das Rufen.
Puella in silvā ambulat.
Ablativ nach in: das Mädchen spaziert im Wald.
Domine, venī.
Vokativ: Herr, komm. Wörter auf -us bekommen -e.
Ausgearbeitetes Beispiel
Wer gibt wem was in Rosam agricolae puella dat?
Such zuerst das Verb: dat, er oder sie gibt.
Puella endet auf -a und ist Nominativ: das Mädchen ist das Subjekt.
Rosam endet auf -am: Akkusativ, das direkte Objekt. Die Rose wird gegeben.
Agricolae kann Genitiv oder Dativ sein. Zu geben passt der Dativ: dem Bauern.
- Antwort
Das Mädchen gibt dem Bauern eine Rose.
Mach es
Wähle eine Stufe. Du bekommst jedes Mal eine neue Aufgabe, die sofort geprüft wird.
Fallen
Falsch: Rosam puella videt: die Rose sieht das Mädchen.
Das erste Wort ist nicht automatisch das Subjekt. Rosam ist ein Akkusativ und damit das direkte Objekt.
Richtig: Das Mädchen sieht die Rose.
Falsch: Rosae ist immer Plural.
-ae ist auch Genitiv und Dativ Singular. Schau auf das Verb und die anderen Wörter.
Richtig: Puella agricolae rosās dat: agricolae ist hier Dativ Singular.
Falsch: In silvam ambulat und in silvā ambulat bedeuten dasselbe.
Nach in entscheidet der Fall: Akkusativ ist eine Bewegung hinein, Ablativ ein Ort.
Richtig: In silvam ambulat: sie geht in den Wald hinein. In silvā ambulat: sie spaziert im Wald.
Im echten Leben
- Das Deutsche hat noch vier Fälle: der Hund, den Hund, dem Hund, des Hundes. Das Latein hat dasselbe Prinzip, nur mit mehr Endungen.
- Im Niederländischen leben Reste der Fälle weiter: wie und wiens, hij und hem, und Wendungen wie in naam der wet.
- An manchen Kirchen und Kapellen steht ein Genitiv: Domus Deī, das Haus Gottes.
Am Tisch
Spielt Fälle raten. Jemand sagt einen Satz, etwa Mama gibt dem Hund einen Keks. Wer am schnellsten zu jedem Wort den Fall ruft (Mama Nominativ, Hund Dativ, Keks Akkusativ), bekommt einen Punkt.
Etwas, das ihr zusammen machen oder besprechen könnt, für Eltern und Kinder. Fehler sind erlaubt.